Michael's Japan Blog

Im Reich der Sonne

Bahnservice, Opel und anderer Killefit · 16. November 2009

Als ich heute in dem Semiexpress auf meinem Eckplatz an der Tür so vor mich hindöste, ich habe es immer noch nicht geschafft wie die meisten Japaner 5sec. nach dem hinsetzen passend bis zur Haltestation zu schlafen (Es gibt Ausnahmen! Ich habe es gesehen wie einer schlafend die Strecke wieder zurückfuhr, die er gerade gekommen war!), kam auf einmal ein Stationsbeamter an einem Bahnhof rein murmelte ein “すみません忘れ物 (Entschuldigung, vergessenes Zeug.)”, bückte sich und nahm eine Papiertasche eines Kaufhauses an sich, dass neben mir auf dem Boden an der Tür stand.
Das ist wirklich interessant, weil als ich 15 Minuten vorher einstieg, war da noch nix, dass bedeutet folgerichtet, eine Person ist eingestiegen und hat das Paket dort vergessen in diesen 15 Minuten was 2-3 Stationen (ohne die aktuelle) bedeutet.
Interessant auch insofern, in dieser Zeit hat die Person
a) festgestellt das sie das Paket vergessen hat und
b) dem Beamten an ihrem Bahnhof Bescheid gegeben der dann
c) passend dem Kollegen am nächsten Bahnhof Bescheid sagte und der sofort am richtigen Wagon und Tür das Paket fand.
Ein Glanzstück für die gut organisierte und pünktliche Japanische Bahn, in diesem Fall die Private Hankyu Bahn.

Die haben übrigens eine Menge Teilzeitkräfte auch die in den Stoßzeiten an den Türen dafür sorgen das keiner eingeklemmt wird und alles geordnet seinen Gang geht, Bezahlung übrigens 800 Yen die Stunde genauso viel wie bei der berühmten Burgerkette aber sicherlich angenehmerer Job.
Ja mit in den Wagen rein pressen ist das hier in Kansai übrigens meist nicht ganz so schlimm, es kommt vor auf wirklich Hauptstrecken und bei Schnellzügen meistens.

Als ich dann heute nach Hause kam und die Nachrichten “sah” stolperte ich über diese Meldung, wo der neue Bundeswirtschaftsminister Brüderle von Ministerpräsidenten der Länder mit Opelstandorten kritisiert wird
Nach dem Theater das GM mit Opel abzog denke ich das Brüderle recht hat und jetzt erst mal GM Vertrauen aufbauen und Vorleistungen erbringen muss.
Wir erinnern uns unsere Kanzelerin mit dem imperativen Konjunktiv Sprachtick hat passend VOR der Wahl verkündet das die Kuh vom Eis ist (NEIN nicht Sie! Das Opel Problem!) und Mangna zur Rettung kommen würde zusammen mit der Russischen Smerbank.
Prompt wird Madam wiedergewählt, fliegt in die USA macht ihren tollen Auftritt vor dem amerikanischen Kongress um dann auf dem Rückflug nach Deutschland vom neuen GM-Chef Eric Whitacre ein fettes “April April wir behalten Opel und fangen mit dem Kürzen an” hinterhergerufen zu bekommen. Stehenden Fuß und energisch wie wir unsere Kanzlerin kennen, schweigt sie erst mal fast ein Woche schmollend.
Ich empfehle unsere Kanzlerin DRINGEND ein paar Folgen StarTrek, wo Ferengies und ihre Erwerbsregeln drin vorkommen, zu sehen, Eventuell bekommt sie dann mal einen Einblick wie Wirtschaftsbosse ticken, oder dachte sie Versprechen brechen ist ein “Politiker only” Verhalten?

Interessant ist übrigens das besagter Whitacre den Deal platzen ließ weil er ein alter Kalter Krieger ist, in Russland “den Feind” sieht und keine Technologie von OPEL dorthin haben will.
(Wir sollten mal erwähnen dass übrigens ein Großteil der GM-Technologie in Wirklichkeit auf, mittlerweile für Kredite von GM verpfändete, OPEL Patente basiert)
Aber wenn der Herr von GM so einer von gestern ist, frag ich mich wann der anfängt auch gegen die “Krauts” vorzugehen, oder sollte das mit Opel der Anfang sein?

Aber zurück zu der Kritik der Länderchefs an Brüderle. Es ist natürlich klar das die ihr Wahlvolk bei Stimmung halten wollen für die nächsten Wahlen die Anstehen, z.B. in NRW.
Da ist ein bankrottes OPEL natürlich nicht so angenehm.

Also die wird die Sache weitergehen? Der Staat und die Länder werden fleißig Milliarden in OPEL stecken die genauso fleißig Richtung GM abfließen (wie auch vorher schon) und jedes Mal wenn die Politik sagt “es reicht” wird GM mit der kompletten Schließung drohen.
Die Mitarbeiter von OPEL werden ordentlich verzichten um zu hoffen unter denen zu sein deren Job erhalten bleibt und nicht dem “schlankmachen” des Herrn Whitacre zum Opfer fallen.
Am Ende wird OPEL pleite und geschlossen sein, so wie Siemens Mobilfunk und Nokia Bochum und bei der großen Endrechnung stellt man fest, dass man für das Reingesteckte Geld jedem heutigen Opelmitarbeiter den Vorruhestand ab heute finanzieren hätte können.

Mene Tekel upharsim! Sag ich nur!

Aber zurück nach Japan, ich hatte ja noch Killefit versprochen.
Ein anderer Japankenner, hat mich auf einen Skandal aufmerksam gemacht, der unter Umständen die Reputation aller Ausländer in Japan beeinträchtigen könnte.
Es geht um den türkischstämmigen “angeblichen” Assistenzprofessor Serkan Anilir der in der Architekturabteilung der Tokioter Ingineursuniversität (Das ist nicht die TODAI!) angestellt sein soll.
Dieser Herr hat wohl nicht nur einen recht “farbigen” Lebenslauf sich erdichtet, sondern ist angeblich Türkischer Astronautenkanditat usw. usf. wie gesagt sein Lebenslauf und sonstige Vita, ist im besten Falle phantasievoll zu nennen.

Nun hat er wohl auch noch türkische Staatsdokumente gefälscht, was neben seinem echt schlecht gephotoshoppten Astronautenbild nach Ärger (zum einen von der NASA die sowas lieben dürfte) schreit.

Man kann zu dem Fall hier auf Englisch was lesen oder hier auf Japanisch bei der Asahi Shinbun.

Warum sollte das auf andere Ausländer Auswirkungen haben? Nun man wird unsere Lebensläufe nun mit sehr viel mehr Vorsicht begutachten und auch viel argwöhnischer sein bei bestimmten Angaben. Denke ich mal so. Sollte die Sache wirklich Groß und fett aufkochen.
Generell denke ich hat er seinen türkischen Kollegen und allen Ausländern dadurch einen Bärendienst erwiesen.

— Michael Hess

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Kommentare

  1. Marcus · 16.11.2009 22:40 · #

    Ach ja, das Trauerspiel um Opel. MMn hätten sie Opel von vorn herein kontrolliert in die Insolvenz gehen lassen sollen. Hätte den Arbeitern dort vielleicht mehr geholfen als das, was jetzt passiert.
    Aber so kurz vor der Bundestagswahl hatten die lieben Politiker einfach Angst, nicht wieder gewählt zu werden. Denn darum gehts doch letztendlich: bloss keine Stimmen verlieren.
    Ich will gar nicht wissen, wie viele kleine Betriebe durch die Kriese insolvent geworden sind, aber die hat keiner versucht zu retten. Opel ist da doch viel medienwirksamer. Auch wenn man am Ende das Geld nur zum Fenster hinaus geworfen hat.

  2. — Hamu-Sumo · 17.11.2009 05:18 · #

    Die Sache mit Opel ist zum Weinen. Ich sag schon die ganze Zeit: Nehmt von dem Rettungspaket 2 oder 3 Mio., finanziert damit Umschulungen und/oder Umzüge der Opel-Mitarbeiter und schmeißt GM aus Deutschland.

  3. coolio · 17.11.2009 12:19 · #

    Zu Serkan Anilir:
    Naja, an den Universitaeten wird man wohl jetzt hoffentlich etwas genauer hinschauen. Da diese nicht im entferntesten mit einem “normalen Unternehmen” verglichen werden koennen, das mit seinen Mitarbeitern Profite erwirtschaften muss, werden dort die Ueberpruefungen von Angaben offenbar etwas laxer gehandhabt. In der Industrie ist so etwas schon seit langem praktisch unmoeglich. Alle Firmen ueberpruefen Bewerber. Dagegen gibt es ja auch nichts einzuwenden. Schliesslich will man ja grade solche Faelle wie den mit Serkan Anilir (Titel lasse ich extra weg, da nicht erwiesen ist das diese tatsaechlich erworben wurden) vermeiden. Daher funzt deine Vermutung mit dem “Baerendienst” nicht ganz. Fuer mich ist der Typ ganz klar ein Krimmineller mit Profilneurose, der sich mit falschen Angaben eroehte Aufmerksamkeit verschafft hat. Hoffentlich wird er diese (im negativem Sinne) jetzt auch kriegen…..

  4. blueschi73 · 17.11.2009 19:49 · #

    Gefälschte Abschluss usw. kenn ich auch jemanden hier in Japan. Werde ihn aber nicht preisgeben. Nur so viel Ich persönlich könnte das nie und nimmer durchziehen. Wie soll man da noch eine ruhige Nacht haben? Außer man hat kein Gewissen.

  5. Michael Hess · 18.11.2009 22:01 · #

    @all
    Mit Opel habe ich da wohl auf den Nerv getroffen… wenn alle “meiner” Meinung sind wem zur Hölle vertreten dann die Politiker mit ihrer Meinung?

    @Coolio
    Also ich hatte nicht das Gefühl das japanische Firmen gross nachforschen, zumindestens hat keiner meiner Exarbeitgeber mich kontaktiert und gesagt “Da hat einer auf japanisch mich angerufen!”
    Aber ich finde das Nachforschen schon vor dem ersten Termin etwas unfair, wer sagt denn das der letze Arbeitgeber dem Kandidaten was gutes will? Was wenn er so richtig auftischt und den Kandidaten schlecht macht? Fair wäre es wenn Nachforschungen dann dem Kandidaten auch eine Chance zu geben im Interview solche Sachen richtig zu stellen.
    “Ihr letzter Arbeitgeber sagt sie sind eine faule hohle Nuss, möchten sie das kommentieren?”
    “Ja, haben sie seine Verkaufszahlen gesehen nachdem ich weggegangen bin?”
    Nur als Beispiel.”
    Ich meine auch bei anderen Sachen die z.B. bei Google auftauchen sollte man dem Kandidaten manchmal ne Möglichkeit geben, was kann ich dafür das es einen Neonazi mit meinem Namen gibt der in Newsgroups rechte Parolen verbreitet?
    OK die Nacktfotos der zukünftigen Lehrer/In auf Youtube müssen nicht hinterfragt werden denke ich.
    Kontrolle ist ja an sich nicht schlecht, es kommt auf das wie an.

  6. Marcus · 21.11.2009 21:57 · #

    Ist doch klar, wen oder was die Politiker vertreten:

    1. sich selbst (also die eigene Macht und den eigenen Geldbeutel)
    2. die, die ihnen nahestehen (also den Geldbeutel füllen)
    3.-99. niemanden
    100. die Ideen der eigenen Partei
    101.-999. niemanden
    1000. das, was von den Interessen der Wähler noch übrig geblieben ist

    Aber es gibt ja offenbar auch immer genug Leute, die diese Politiker wählen.

  7. Thilde · 24.11.2009 01:08 · #

    zu deiner ERfahrung in der Bahn: Die sind echt extrem gut organisiert. Ich hatte in einem Shinkansen beim Umsteigen mal meine Handtasche hängenlassen – mit allem Geld, Pass, Fahrkarten.
    Binnen einer Stunde hatte ich sie wieder in Händen – und dass trotz unseres gebrochenen Japanisch, mit dem wir das Aussehen der Tasche und den Verlustort beschrieben haben.

  8. coolio · 24.11.2009 12:24 · #

    @Michael
    Du pauschalisierst mir da ein bisschen zu sehr. Natuerlich geht es nicht darum, sich von einem veraergertem Ex-Arbeitgeber beeinflussen zu lassen. Soviel Verstand solltest du den Leuten, die solche Nachforschungen anstellen schon eingestehen. Vielmehr geht es darum, zweifelhafte Angaben zu ueberpruefen und dazu gehoeren z.B.: Schulabschluss, div. Lizenzen, Diplome, Meisterbrief, Fremdsprachenkenntnisse, und so weiter. Ein Herr Serkan Anilir mag seiner Uni wohl eher nur ideologischen Schaden zufuegen, aber in der freien Wirtschaft sieht es anders aus. Ich moechte niemanden mit “durchziehen” der schon aufgrund seiner (fehlenden) Vorbildung nicht fuer bestimmte Arbeiten geeignet ist.

  9. Michael Hess · 24.11.2009 21:12 · #

    @Coolio
    Nur wer zieht da wo und wann die Grenze?
    Sorry die meisten HR-Manager die ich erlebte ließen da wenig Hoffnung aufkommen.
    Sind eh meist 25 jährige BWLer mit Excelenzabschluss.

  10. Tobey · 08.03.2010 18:19 · #

    Lieber mal ein paar Milliarden in die Taschen der Manager und Banker stecken, als Spielplätze zu bauen. So sieht die heutige Politik aus!

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