42 · 6. Februar 2010
Normalerweise die Antwort auf das Leben, das Universum und alles sonst, hat für mich auch eine gewisse Bedeutung bekommen.
Als ich bei meinem letzten Geburtstag, den 41sten, auf die Frage „Und was sind so deine Pläne für die Zukunft?“ mit einem leichtfertigen, lachenden „42 werden!“ antwortete, hatte ich nicht gedacht das dies durchaus mal zur Diskussion stehen könnte.
Zwar hat noch kein Kapuzenherr sich mit „HALLIHALLO, WILLST DU SCHON MAL RESERVIEREN?!“ vorgestellt, aber ein dezentes „HRMMMHHHH!!!“ war doch zu klar zu vernehmen, was mich theoretisch in den Rang eines Magiers erhebt, da nur diese IHN ja prämortal vernehmen können.
Wenn die Liste der möglichen Nebenwirkungen einer Behandlung, eher die Frage aufkommen lässt, ob man die Wahl zwischen „Erschießen oder hängen“ hat, kommt man ins nachdenken.
Als Sahnehäubchen hat man dann noch eine Wunde in der Hüfte von der Größe das man darin locker ein bis zwei Hühnereier der Klasse LL verstecken kann. In der sich eine Meute Staphylokokken austobt, was die ganze Sache nicht vereinfacht.
Auch das ausfüllen eines Formulars für „den Fall der Fälle“, wo man seine Präferenzen bei bestimmten Ereignissen und Personen die dann zu benachrichtigen sind angeben kann, erfüllen einen nicht mit Zuversicht in die Zukunft.
Und JA(!) die Frage ob die Krankenschwestern süß sind, ist wirklich dann scheissegal und kindisch unangebracht (Zeugt IMHO von erheblich fehlender Sozialkompetenz), kompetent und hässlich ist dann schon lieber, als süß, sexy und eventuell kawai-dümmlich.
Ähnlich ist es damit, ob der Arzt in den USA studiert hat, was IMHO kein Zeichen von Qualität, sondern eher vom Reichtum des Studenten und seiner Familie ist.
Wir reden ja hier nicht von einem Voodoo Behandlungszimmer in z.B. Zentralafrika, (Wobei ich da ev. sogar mehr Vertrauen hätte, als bei einem Arzt der auf Vorkasse besteht, wie in den USA gelegentlich üblich) sondern von einem an einer Universitätsklinik angeschlossenem Kompetenzzentrum!
In Deutschland würde auch niemand den Arzt vor einer Behandlung fragen „Haben Sie denn in den USA studiert?“.
Japan durfte gerade in dem betreffenden Bereich der Medizin, dank zweier großer Feldversuche der USA in 1945, sich mit entsprechenden Krankheitsbildern viel intensiver beschäftigen als jedes andere Land und das ohne Hilfe vom großen Bruder, da galten und gelten, entsprechende wissenschaftliche Daten nämlich als streng geheim.
Will ich hingegen eine Schönheitsoperation, oder einen Tip für ein Investment wollen, würde ich sicherlich gerne einen amerikanischen Arzt fragen. (ER ist NICHT die Realität! Wir sind ja nicht bei Dr. Brinkmann)
Auf jeden Fall, selbst ohne groß weinerlich veranlagt zu sein und nur die meiner Meinung nach im Hirn ganz seichten, kommen nicht auf den Gedanken „Solls das gewesen sein?“.
Und während durch die vorherigen Medikamente sich die Haut am ganzen Körper löst und man seine erste Infusion des Tages mit Zellgiften bekommt, fängt der 21st Century Vorspann an und man denkt mit erschrecken „Oje, ein Kurzfilm…“.
- Geboren in einem Kaff das trotz seiner stolzen 2000 jährigen Geschichte in den 60-70ern Jahren den Protestantismus für eine ansteckende Krankheit hielt. „Wenn sie Ihr Kind unserem Kindergarten einschreiben wollen müssen sie erst mal einen Kurs besuchen damit Sie Ihr Kind nach christlichen Grundsätzen erziehen können.“
- In der Grundschule herumgeschubst (いじめ- ijime ist keine japanische Erfindung!) weil man etwas mollig ist und zu den besseren Schülern gehört.
- Als Kind der APOLLO-Generation ist mein Karrierewunsch klar, Abitur machen, Offizier und Jet-Pilot bei der Luftwaffe, um dann Astronaut zu werden.
- Schulempfehlung entscheidet, dass ich als Arbeiterkind besser in der Hauptschule auf mein Leben als Arbeitsdrohne vorbereitet würde. Meine einzigen Freunde gehen alle zum Gymnasium. Meine Eltern zweifeln die Empfehlung nicht an, Volksschule hatte Ihnen und meinen Geschwistern auch nicht geschadet, wird also schon richtig sein.
- Mit 14 zusammen mit einem Freund Raketentreibstoff gemixt und selbstentwickelte/-gebaute Raketen gestartet.
- 1985 Hauptschule Klasse 10 Typ B mit FOR und Empfehlung fürs Gymnasium beendet.
- Mittlerweile Brillenträger und leider immer noch mollig, habe ich meinen Karriereplan angepasst, Abi machen und Luft&Raumfahrttechnik in Stuttgart studieren.
- Muss stattdessen Geld verdienen, Ausbildung zum Physiklaboranten.
- Never give up, never surrender!
- Gehe neben der Ausbildung zur Abendkollegschule fürs Fachabi (Elektronik). Entwickle in meiner Freizeit ein HUD-Display des Tachometers und Drehzahlmessers für meinen Opel Kadett ©. TUEV ist „not amused“ und Kollegen sagen „Was soll so ein Scheiss im Auto?“, um 2005 wird HUD für den 5er von BMW angeboten.
- 1988 Abschlussklausuren (Fachabi) stehen an, dummerweise früher Abend, ergo brauche Urlaub, mein Ausbildungsleiter Dr. Roth streicht Urlaub und droht mir mit Kündigung wenn ich trotzdem hingehe oder Krankenschein nehme.
- Schule teilt mir mit das alle Klausuren 6 gewertet wurde und somit alles verfällt (bis dahin Durchschnittsnote 1,4). Wiederholung des Schuljahrs/Prüfung nicht möglich.
- Hätte mich mit Fachabitur und Ausbildung (Ausbildung zum Physiklaboranten endete lange Zeit bis zu einer „Reform“ in den 80er, an sich schon mit einem Fachabiturabschluss) in Stuttgart für eine Äquivalenzprüfung an der Uni melden und Luft&Raumfahrt studieren können.
- Beende Ausbildung und erhalte Geldpreis der Firma für mein gutes praktisches Ergebnis (Wäre „sehr gut“ gewesen, wenn meine Fehlerrechnung 3% statt 30% als Fehler ausgespuckt hätte, Scheiß Kommafehler! ;-) ).
- Werde dank Dr. Roth aber trotzdem ins Firmeninterne Sibirien (aka Kunststoffprüfung) versetzt.
- Lerne intensiv die tiefe Bedeutung von dem Mantra „Das haben wir immer schon so gemacht, wo kämen wir da hin, da könnte ja jeder bekommen!“.
- Meine Chefs (Chemotechniker & Chem. Ing.) stolpern über mich, eine Zugmaschine von 1939, einem Digitalen Messgerät und „Das haben wir immer schon so gemacht!“.
- Leider stolpern sie nicht genug, ich desertiere zu einer anderen Firma um „mein Leben“ zu retten. In dem Zeugnis 6 Monate später drückt „mein Ing.“ seine tiefe Liebe und Zuneigung zu mir aus. „Seine Zusammenarbeit mit Vorgesetzten war zufriedenstellend!“ Dabei hat er sich doch das Messer selbst in den Rücken gesteckt!
- Die Beschreibung des neuen Job hört sich gut an, leitender Physiklaborant in der Abteilung physikalische Messmethoden der F&E Abteilung.
- Job angefangen, doch schon in der ersten Woche knirscht es, man zitiert mich in die Betriebsleitung und eröffnet mir, das die Firme gerade ihre Aktienmehrheit an eine andere Firma verloren hat und das die neue Leitung allen Mitarbeitern mit Verträgen in der Probezeit zwei Möglichkeiten bietet a) sofortige Kündigung oder b) Änderung des Vertrages in einen Zeitvertrag mit 9 Monaten. Das sind tolle Aussichten wenn man gerade extra für den Job, eine neue Wohnung gemietet und eingerichtet hat.
- Ich wähle b) und fange an nach was Neuem zu suchen. In 1990 ist das, ohne existierendes Internet, auf Zeitungen beschränkt, da das Arbeitsamt pikanterweise nur zu normalen Arbeitszeiten geöffnet hat. Urlaub nehmen ist natürlich nicht, da ich mit viel Einsatz versuche zu zeigen, so dass es auch ev. die neuen „Eigner“ sehen, welche Vorteile eine gute F&E Abteilung haben kann.
- Nach dem Desaster mit dem Fachabitur habe ich ein endlich ein Abendgymnasium gefunden (mittlerweile hatte die Uni Stuttgart das Verfahren mit der Zusatzprüfung gestrichen) wo ich ein Vollabi mit einer guten Kurswahl (Mathe/Physik Leistungskurs) machen kann. Es ist nur relativ nah zwar (ca.60km) sollte aber mit Auto schaffbar sein.
- 1990 Drei Tage vor Ablauf der 9 Monate teilt mein Boss mir mit, dass er alles versucht hätte, aber leider würde es keine Übernahme oder Verlängerung geben. Man schickt mich mit einem guten Zeugnis Richtung Arbeitsamt.
- Never give up, never surrender!
- Ich suche Bundesweit in allen großen Zeitungen und kleineren erreichbaren Regionalzeitungen, jeden Samstag verlasse ich mit gefühlten 5 Kilo Zeitungen die Bahnhofsbuchhandlung. Gesuche nach Physiklaboranten geht Gefühlt lim->0 und auch Alternativjobs erzeugen nur Absagen. Die Kosten hingegen für Zeitungen und das Ausleihen einer Schreibmaschine (Ich will weder meine Handschrift, noch den 24-Nadeldrucker auf pot. Arbeitgeber loslassen), erzeugen neben Kosten für die Abendschule ein gewaltiges Loch im Budget.
- Ein Jahr Jobsuche ohne Erfolg (Das Arbeitsamt war auch keine Hilfe, au contraire!) ist rum und Arbeitslosenhilfe steht an. Bei der Befragung fragt der Herr vom Arbeitsamt, was ich in Sachen Jobsuche den Unternommen habe, ich lege Wortlos einen dicken Leitzordner mit Bewerbungen und Absagen auf den Tisch.
- Die Sprache kommt auf sonstige Aktivitäten von mir und ich erwähne das Abendgymnasium, hätte ich mal nicht! Ich bekomme schriftlich, unter Androhung der Leistungssperre, den Besuch des Abendgymnasiums verboten, da es meiner Verfügbarkeit für den Arbeitsmarkt wiederspreche (WTF!). Außerdem muss ich auch meine Lebens- und Rentenversicherungen kündigen um weiter Arbeitslosenhilfe zu beziehen.
- Meine Freundin macht nach 4 Jahren Schluss weil u.a. ich ein finanzielles Risiko für ihre Karriere als zukünftige Chemieingenieurin wäre.
- Ich habe angefangen die lokale Tageszeitung morgens auszuteilen, um irgendwas Aktives neben dem Lernen zu tun! Gross zu verdienen ist nicht, da, a) die Arbeitslosenhilfe um 50% des Zuverdienst gekürzt wird, ich aber b) ein Großteil meines Gehaltes als Fahrtkosten für die 30km jeden Morgen um 200 Zeitungen zu verteilen erhalte, Bauernschaften halt!
- Ich versuche die Anweisung des Arbeitsamtes mit einem Kursus der Fernakademie zur Vorbereitung auf die „Fremdenreifeprüfung“ zu umgehen. Der Kursus ist recht teuer (36×200 Mark), die Lerneinheiten erstaunlich einfach und das ohne Unterricht. Ich habe nach nur etwas mehr als 1 Jahr fast das gesamte Material für 3 Jahre „Oberstufe“ durchgearbeitet und die Hausaufgaben mit meist exzellenten Noten in den wichtigen Fächern zurückerhalten.
- Ein entfernter Bekannter (Gymnasiallehrer Mathe/Physik) schaut sich das Material an und meint lapidar, damit wäre nur das durchfallen garantiert und würde nicht Abiturniveau in NRW entsprechen! Die Prüfung ist Frühling 1993 in Hamburg (1000 Mark Komplettpreis). Ich gehe trotzdem hin und mein Bekannter behält recht, keins der Themen der Prüfung war im Lehrmaterial erwähnt worden!
- 1993 Ich atme einmal tief durch pfeife aufs Arbeitsamt und gehe wieder zum Abendgymnasium, da ich leider diesmal ein anderes nehmen muss (dichter an meiner Heimatstadt) und mit anderem Kursangebot, werde ich mit der schon gewohnten Nachricht beglückt, dass keine meiner Vorleistungen, bis auf Französisch und Latein, anerkannt werden können.
- 1995 Erhalte mein Fachabiturzeugnis als Zwischenschritt, Durchschnitt leider nur 1,6 wegen LK Deutsch.
- Zur gleiche Zeit nach fast genau 5 Jahren quasi Arbeitslosigkeit (aber nicht Untätigkeit!), erhalte ich einen neuen Job als Physiklaborant in einem Forschungsinstitut. Ich verstehe mich mit meinem Boss sofort sehr gut und stelle fest dass ich nix an meinen Fähigkeiten eingebüßt habe, im Gegenteil, meine selbstangeeigneten Kenntnisse bezüglich PCs werden dankbar aufgenommen. Ich bekomme sogar wieder einen Auszubildenden anvertraut. Leider ist die Stelle wohl auf 2 Jahre befristet, da sie wegen dem engen Budget des Instituts nur durch ABM-Förderung möglich gemacht wurde.
- 1996 ABITUR ENDLICH Schnitt 2,0 dank gezwungenermaßen LK Deutsch :(
- Als Stufenbester werde ich für ein Stipendium der „Studienstiftung für das dt. Volk“ vorgeschlagen!
- Luft&Raumfahrttechnik ist überlaufen und die Aussichten für den Schweinezyklus sind nicht gut.
- Ich entscheide mich zu einem mehr Grundlagenverständnisförderndes Studium und somit für Physik, spezialisieren kann man sich später, wenn der Arbeitsmarkt klarerer ist. Außerdem kann ich so den Job als Physiklaboranten wenigstens „halbtags“ weiter machen bis die Förderung ausläuft. Das ist gut, weil das Bafoeg-Amt zickt nämlich wegen dem 2ten Bildungsweg. Zitat: „Wir sollen also zahlen, damit sie aufhören zu arbeiten?“
- Studium beginnt und ich fühle mich endlich wohl und zuhause.
- Die ersten Wehen des Internets, wie wir es kennen, sind feststellbar, noch (be)herrschen die AOL und Compuserve Speziallösungen beim Zugang zum „Netz“ den Markt.
- Bekomme Einladung zum Auswahlverfahren des Stipendiums, lt. Schreiben schaffen das nur 5%. Ich werde 2 Interviews haben und soll einen „Vortrag“ vorbereiten. Sonst keine weiteren Erklärungen. Fühle mich etwas uninformiert, aber niemand den ich kenne, kennt das Stipendium und kann mir helfen.
- Erfahre, dass 3 Kommilitonen ebenfalls eingeladen sind, frage die was erwartet wird, Antwort „Das weiß man!“ Ahhh ja danke auch!
- Die Stiftungsveranstaltung ist sehr ernüchtern und ich fühlte mich zu recht nicht wirklich gut vorbereitet. Der Knüller ist aber das Interview wo mich der Gegenüber fragt „Gibt es einen gerechten Krieg?“ (Es gibt gerade mal wieder Probleme mit dem Irak) mit den Erfahrungen meiner Eltern aus dem 2ten Weltkrieg im Rücken antworte ich selbstbewusst „Nein, es gibt keinen gerechten Krieg, immer werden Unschuldige und Unbeteiligte leiden müssen.“ „Aber wie soll man einen Diktator wie Sadam den bekämpfen?“ „In dem man den Diktator bekämpft und nicht die vielen oftmals unfreiwilligen die dazwischen stehen! Wenn die USA wirklich nur Sadam ausschalten will, dann soll sie einen Kommandotrupp schicken und ihn ausschalten! Das ist eventuell riskanter für die Kommando Soldaten, aber ich denke viele zivile Iraker die jetzt tot sind würden das so lieber sehen.“ Der Interviewer schaut mich an als wenn ich wo ausgebrochen bin und sagt „Danke für diese interessante Einsicht!“ Das war es mit dem Stipendium!
- Die theoretische Physik bereitet einige Tücken besonders weil das mathematische Rüstzeug dazu erst in der Mathevorlesung im dritten Semester erklärt wird.
- Muss feststellen, dass genug Mitstudenten ob meines „Backgrounds“ Vorbehalte hegen, besonders einige der ansonsten „ fachlich (Theorie) besseren“, mit denen ich gerne zusammen lernen würde. Das ich schon 28 bin hilft da auch nicht weiter.
- In einem meiner düsteren Moment hält mein Theorie Professor mir eine Aufmunternde Rede, in der er sagt das Theorie nicht die Welt ist, sondern ein guter natürlicher Instinkt für die der physikalischen Welt und das dieser Instinkt bei mir sehr stark wäre. Danke Herr Professor Weber!
- Der Job im Forschungsinstitut findet sein vorhergesagtes Ende. Ich erhalte ein exzellentes Zeugnis und viel wichtiger das verbale Lob meines Boss, das meine Arbeit so gut war, wie man von einem Uniabsolventen mit Diplom erwarten würde.
- Das Bafoeg-amt befolgt endlich seine eigenen Vorschriften und gewährt mir Geld mit April 1997. Sie nennen das WS96/97 und zählen dies als mein erstes Semester.
- Neben dem normalen Curriculum, besuche ich aus Interesse Vorlesungen in BWL (DIE Lachnummer) und Astrophysik/Astronomie sowie Medizin an der Partneruni. Außerdem erkundige ich mich nach Möglichkeiten nach dem Vordiplom ein Auslandssemester zu machen, laufe aber da vor die Wand, da ich zu dem Zeitpunkt dann über 30 wäre.
- SS1997 Das anorganische chemische Pflichtpraktikum zur Chemievordiplomsprüfung erledige ich mit links, gelernt ist gelernt!
- WS97/98 SS98 einige medizinische Unpässlichkeiten sowie Komplexere Untersuchungen sorgen dafür das ich wichtige Physikklausuren verpasse, die Kurse werden dazu nur jährlich angeboten.
- Die Krankenversicherung TK fängt gleichzeitig an rumzuzicken. Erst meint sie sie würde keine Studenten versichern und ich sollte doch in die AOK wechseln, dann bin ich auf einmal kein Student und/oder zu alt und soll deshalb den Beitrag für freiwillig Versicherte zahlen, fast 300 Mark pro Monat. Der Zank geht bis in die 2te Instanz vorm Sozialgericht. Ich gewinne zwar juristisch mit Glorie, verliere aber finanziell.
- Das Bafoeg-amt meint ich hätte meine Vordiplomsbedingungen WILLENTLICH nicht erfüllt und droht mit Ende der Zahlungen, Erst Bescheinigungen von Ärzten und Professoren kann das stoppen, aber die Uhr (max 10 Semester) tickt weiter.
- Zum Glück finde ich einen Nebenjob beim MPI in Dortmund, aufgrund meines „Backgrounds“ werde ich nicht als studentische Hilfskraft sondern als Hilfswissenschaftler angestellt. Aber die Sozialversicherungen schlagen zu, da ich eben kein typischer Student bin sondern vorher gearbeitet habe werde ich von denen wie ein normaler „Arbeiter“ mit allen Mindestbeiträgen bedacht, so verschwinden fast 50% in Richtung Renten, Arbeitslosen und Krankenversicherung. #Normale Studenten müssen z.B. keine Rentenversicherung zu der Zeit zahlen und sind über die Eltern und ab 25 als Student KV versichert. Der kümmerliche Rest wird dann noch an mein Bafoeg angerechnet.
- Obwohl studieren und arbeiten hart ist, fühle ich mich beim MPI sehr wohl, ich werde auf Augenhöhe behandelt und mein Boss ist sehr zufrieden mit mir.
- Das physikalische Anfängerpraktikum ist wieder mal ein Klacks für mich. Leider bremst mich das Missgeschick in 98 und ein Mathe-Assi mit Physiker- und Arbeiterhass, Zitat (Kurzfassung): „Leute wie Sie haben nix an der Uni verloren, gehen sie wieder zurück ans Fließband!“, beim Vordiplom aus. Ich mache so viele Schein wie ohne Vordiplom möglich sind.
- Nebenbei arbeite ich in der Fachschafft und in einigen Gremien des Physikfachbereichs mit. Es geht um Besetzung von Professoren- oder Institutsleiterposten oder Förderung zwischen dem Physikfachbereich und Schulen um mehr Studenten zu bekommen. Sehr interessant und auch sehr lehrreich in vielen Dingen.
- Ein Professor legt mir wegen meinen VD-Problemen nahe auf eine FH zu wechseln. Das dies nach dem 2ten Semester Verlust der Bafoeg-Förderung bedeutet, hält er für ein kleineres Problem.
- Beim MPI treffe ich einen zukünftigen Postdoc aus Japan, wir verstehen uns super.
- 2001 Mathe-Assi kaltgestellt und endlich VD beendet.
- Mache das physikalische Fortgeschrittenenpraktikum, was für 2 Leute als Team vorgesehen ist, alleine, weil Herr Prof. Fröhlich meinem Partner die Zusammenarbeit abgeraten hat, da ich „durch den Nebenjob zu unzuverlässig wäre und Ihn nur aufhalten würde!“
- Ich beende das für 2 Leute und 1 Jahr angesetzte Praktikum alleine und in 6 Monate! Der gewarnte Kollege hat das Studium unterdessen abgebrochen.
- Juni 2002 Start Diplomarbeit, muss aber leider im Dezember meinen Job am MPI beenden weil die DA mir keine Zeit für einen Nebenjob lässt. Ich bekomme zwar einen Hiwi-Job am Lehrstuhl, aber Budgetbedingt ist die Bezahlung viel weniger als am MPI. Das Bafoeg-amt hat pünktlich 2001 die Zahlung nach 10 Semestern eingestellt, ich substituiere mit Banken Krediten und der Studienabschlussförderung der KfW. Der Schuldenberg steigt.
- Während der Diplomarbeit renne ich zu allen möglichen Jobveranstaltungen und preise (bewerbe mich) wo es sinnvoll erscheint, das Schweizer Taschenmesser „Michael Hess“ an. Die Reaktionen sind deprimierend. Highlights „Interessanter CV, so viele Berufserfahrungen, aber leider 6 Jahre zu alt!“ (WTF wäre ich 6 Jahre jünger, dann hätte ich ev. nicht die Erfahrungen!) Der BMW-HR-BWL-Futzi auf der Jobmesse „Wie viel Code (spricht es wie Kot aus) haben sie schon erzeugt“ Ich verkneife mir die Antwort die mir auf die Zunge springt „Ich gehe täglich aufs Klo!“. Ich weiß einfach, er würde es nicht verstehen.
- Einige Male werde ich ernsthaft gefragt, „Was sind ihre Eltern von Beruf?“. Die Antwort „Hausfrau und pensionierter Busfahrer“ scheint nicht gut anzukommen. Einmal folgt sogar danach die Aussage „Ach so, ich glaube wir haben leider keine passende Stelle für Sie“ (Diehl Waffensysteme, ja ich war SO dringend nach einem Job am suchen!) hätte gerne Arbeiterklassenmäßig non verbal reagiert.
- Einmal(!) sagt einer auf der Job messe „Wow sie haben sich echt hochgearbeitet, sowas bewundere ich ja!“ einen Job gab es trotzdem leider nicht.
- Arbeitgeberverbände klagen Akademikermangel und fehlende Flexibilität der Bewerber bezüglich Wohnort und Auslandseinsätzen an. WHAT THE FUCK und warum finde ich dann keinen Job, jung, gescheit, willig, Ausland, ja bitte!
- Juni 2003 ich erhalte mein Diplom unter vier Augen aus den Händen des Dekans und theoretische Physik Professors, der mich seit dem ersten Semester kennt und gleichzeitig der theoretische Zweitgutachter war, mit den Worten „Herr Hess, wir hatten ja insgeheim wetten laufen, ob sie es schaffen würden, aber ich wusste sie geben nicht auf! Ihre DA fand ich übrigens wirklich gut“
- Jobinterview bei einer Firma, später am Telefon sagt man mir ab und vermisst meinen „roten Faden“ außerdem bezweifelt man mein Durchhaltewillen.
- Um nicht Sozialhilfe beantragen zu müssen, nehme ich das Angebot als „Consultant“ bei MLP an. Man bietet mir eine Fachbezogene Ausbildung an, um akademische Personen eine angepasst Vermögensplanung zu bieten. Es ist ein hauptsächlich „über den Tisch zieh, Arm auf den Rücken bieg Lebensversicherungen verhökern“ Job mit null persönlich Freiheit und häufigen herumlungern an nichtverbotenen Ecken der Uni mit langem Mantel und dem Satz „Ehh, willst mal was Tolles sehn?“, Studentenanquatschende, Scheinselbständigkeit.
- Nach 4 Monaten MLP habe ich die Nase gestrichen voll. MLP wird mich auf Rückzahlung des Gehaltes verklagen, was vor Gericht geht und wo MLP einen Vergleich annimmt, nur um ein Gerichtsurteil zum Thema Scheinselbständigkeit zu verhindern, wie immer.
- Passend zum Ende bei MLP bekomme ich eine Job über eine Leiharbeitsfirma. Ich soll als PHYSIKLABORANT eine Schwangerschaftsvertretung in einem Labor bei einer Firma übernehmen. Die Bezahlung ist Leiharbeitsfirmen typisch niedrig. Die reale Aufgabe hingegen ist die Vertretung der schwangeren Laborleiterin und viele Tätigkeiten die man mir überträgt sind also eher für einen Ing. als einen Physiklaboranten, so spart man Geld.
- Ich hänge mich trotzdem 200% rein um ev. eine permanente Stelle herausarbeiten zu können. Aber am Ende heißt es aus der Firmenleitung, dass eine Übernahme aus Leiharbeit prinzipiell nicht gehen würde. Mein direkter Boss in der Firma ist aber sehr zufrieden und will mir ein Zeugnis geben das meine realen Tätigkeiten beschreibt, aber er wird von der Firmenleitung und der Zeitarbeitsfirma gestoppt. Das Zeugnis der Leiharbeitsfirma dagegen ist zwar gut, beschreibt aber nur einen Teil des Jobs. Monate später fragt der (Ex)Boss nach ob ich den Job nochmal machen wollte, die Laborleiterin wäre schon wieder schwanger, aber ich bin da schon in Japan.
- Während des Leiharbeitsgigs, hatte ich ein Interview für einen Job bei AIRBUS in Hamburg, ebenfalls via einer Leiharbeitsfirma. Ich fahre also nach Hamburg via ICE (Später denke ich in Schrecken an den Trip, im Vergleich zum Shinkansen), starte um 4 Uhr morgens um pünktlich um 11 da zu sein (400km) und trotz Sitzplatzreservierung kann von Ausgeruht ankommen, keine Rede sein. Der beschriebene Job, geht um Überprüfung von Zugversuchsdaten (in Exceltabellen!) der CFK Bauteile des neuen AIRBUS auf Plausibilität(!). Ein Job für einen Studenten und die Bezahlung ist auch danach. Aber trotzdem würde ich den Job machen, um so einen Fuß bei AIRBUS (Ohne simple ein Flugticket zu kaufen) rein zubekommen.
- Als wenn man es gerochen hätte, erklärt man mir während des Interviews mit einem Lächeln, dass die Stelle zu keiner Übernahme führen würde, da man die hochqualifizierten Leute für direkt Anstellung bei AIRBUS aus besseren Quellen beziehen würde. Ahhhh ja danke, Leiharbeiter sind also nur dummes Füllmaterial! :/
- Bei der Absage teilt man mir dann mit, ich wäre Überqualifiziert. Die Leiharbeitsfirma ersetz die Fahrtkosten übrigens nicht und AIRBUS sowieso nicht.
- Oktober 2004, wieder Arbeitslos, aber dank des Leiharbeitsgigs und dem alten MPI Job bis 2002, bekomme ich die nötigen 12 Monate Einzahlung in 24 Monaten so gerade hin und somit diesmal wenigstens ein paar Monate Geld und muss nicht direkt Hartz IV beantragen.
- Bin seit 2002 mittlerweile bei fast 150 Bewerbungen (Ohne Jobmessen) auf mehr oder weniger Fachbezogene Stellen, angelangt, bei weniger als 10 Vorstellungsgesprächen als Ergebnis, habe sogar versucht als Doktorand was zu finden. SO hatte ich mir das vor Jahren nicht vorgestellt!
- Bewerbungsmappen und deren Inhalt kommen oft in einem Zustand zurück, der eine Wiederverwendung ausschließt.
- Viele der Online Bewerbungsverfahren von großen Firmen schließen mich quasi aus, weil sie auf Standard Lebensläufe ausgelegt sind. Manchmal ist schon das Alter ein Ausschließungsmerkmal, weil im Javascript nicht auswählbar.
- November 2004 ich treffe den ehemaligen japanischen Postdoc, den ich beim MPI kennenlernte, zufällig an einer Tankstelle. Der ist auf Besuch da und hat in Japan mittlerweile einen festen Job. Wir hatten uns nach dem ich vom MPI wegging und er nach Japan, immer mal Neujahrs- und Geburtstagsgrüße geschickt. Wir tauschen uns so über dies und das aus.
- Ein paar Tage später fragt er mich per Mail ob ich immer noch gerne nach Japan möchte und er mal mit seinem Boss reden soll? Ich sage selbstredet ja! Zwei Stunden später eine Email „Schicke schnell CV und Forschungsplan“. CV null Problem, Forschungsplan… ich schreibe in aller Eile eine DinA4 Seite mit drei Ideen was ich machen könnte.
- Ein paar Tage später Email vom Boss „Rufe sie am YYYYY um 9am Ortszeit an!“
- Der Tag kommt, es ist 8 Uhr ich bin gerade wach und mein Telefon klingelt… JAPAN! Ich gehe ran und Boss spricht 15 Minuten mit mir über alles nur nix vom Fach. Er endet mit „Meine Sekretärin meldet sich bei Ihnen, bis bald in Japan!“ Ich kann es nicht glauben und werde so verbleiben, bis ich meinen Fuß auf japanischen Boden setze.
- Januar 2005, da ich mich nicht auf die bislang nur telefonische Zusage verlassen möchte (It ain`t over till the fat lady sings), nehme ich das Angebot eines Kollegen an und übernehme seinen Job als Aushilfslehrer an einer Realschule, wo ich Mathe und Physik unterrichten soll.
- Der Job ist der blanke Horror, auf der einen Seite Schüler mit hohem Migrationshintergrund und aus stellenweise sozial schwierigen Situationen die vollkommen demoralisiert sind, weil ich der dritte Lehrer binnen eines Jahres bin. Auf der anderen Seite Lehrer die Traumtänzer sind oder vollkommen frustrierte Zyniker welche die Schüler als einen Haufen Abfall sehen. Lerne erster Hand woran es im Schulsystem hakt.
- Habe keine Ahnung von Didaktik wie sie an der Uni Lehrern gelehrt wird. Ich wende eine Mischung aus den besten Lehrern die ich hatte, plus eine Portion Sergeant Major Hartman an.
- Zur selben Zeit meldet sich die Sekretärin meines zukünftigen japanischen Bosses und der Papierkram startet, Zeugnisse ins Englisch übersetzen, Gesundheitscheck etc. pp.
- Ich weiß nicht ob das Visum passend für den 1. April fertig wird muss aber einen Flug buchen, wähle Emirates als Fluglinie und bedaure es nicht.
- Es ist März und Mittwochnachmittag vor Gründonnerstag, endlich kommen die Unterlagen fürs Visum. Ich eile am nächsten Tag zum Konsulat in Düsseldorf. Ein paar Tage später erhalte ich das 5-Jahres Visum.
- Ich kündige in der Realschule, von den Lehrern keine große Reaktion, aber zur großen Überraschung sind die meisten meiner Schüler traurig und eine Schülersprechern meint sogar „Noch nie haben wir so viel, mit so viel Vergnügen gelernt!“ und man schenkt mir eine Flasche teuren Whisky zum Abschied. Die Frage wie sie als 14 Jährige dran gekommen sind wird mit süffisantem Lächeln beantwortet, immerhin etwas (Das Lächeln) haben sie gelernt! Mhhh und ich dachte ich wäre Prof. Dr. Prügelpeitsch für die gewesen, so kann man irren.
- 31. März, mein Flieger nach Japan verlässt Deutschland, ich lasse wenig zurück und wenn nur Materielles, wie Meter von Büchern und Stapel von Musik-CDs, ansonsten hält mich nix. Wie sagte mal Trapatoni so schön „Ich habe fertig!“
- 1. April Ankunft in Osaka, ich finde meinen Weg nach Aioi und befürchte immer noch jemand sagt „April April“. In Aioi wartet mein Ex-Kollege vom MPI, er fährt mich nach SPring8, wo ich als Wissenschaftlicher Assistent bei einem großen Projekt, die schönsten zwei Jahre meines Lebens verbringen werde. Aber das weiß ich da noch nicht.
- Oktober 2005, aus reinem Spaß habe ich mich bei einer Casting Firma beworben, die deutsche Statisten für einen Spielfilm suchen. Ich werde nicht als Statist sondern als sogenannter „regular Cast“ für einen Film mit Bruno Gans und Matsudeira Ken angeheuert.
- Zum Glück bekomme ich den Drehplan mit meinem Tagesjob arrangiert, Internet sei Dank. 2 Monate wildes pendeln, aber das ist mir die Erfahrung wert.
- November, ich treffe die Frau meiner Träume nur um sie Monate später, durch eine ungeschickte Aussage zu verlieren. Manchmal können simple Worte und Aussagen mehr verletzen als Waffen, oder deren fehlen (gell, Mutter?).
- Herbst 2006, die Projektleitung teilt uns mit, dass die Förderung wie geplant März 2007 ausläuft und eine Anschlussförderung auf Grund eines Paradigmenwechsels der Regierung von Biochemie weg zur Physik unwahrscheinlich ist. Über 600 Wissenschaftler mit Zeitverträgen wie ich, sind betroffen.
- Wir bekommen alle möglichen Hilfen bei der Jobsuche, aber es ist schwer.
- Beim neuen Projekt habe ich keine Chance, weil deren Boss, meinen Boss nicht wirklich grün ist.
- Mein Boss gibt mir exzellente Empfehlungsschreiben mit auf dem Weg bei jedem Jobinterview das ich habe.
- März 2007, eine Firma wo es sehr gut aussah und der angebotene Job mehr als gut bezahlt und darüber hinaus interessant, sagt leider ab, weil in der Finalen Abstimmung einer der Abteilungsleiter gegen Präsidenten und seine 5 Kollegen gegen mich stimmt und sich nicht überzeugen lässt. Manchmal hat eine Konsensgesellschaft Nachteile.
- April 2007 ich ziehe nach Osaka und fange bei NOVA an als NOT-Zwischenlösung, nicht die erste Kröte die ich schlucke. Das Gehalt ist ein Witz, die Sozialleistungen nichtexistent.
- Meine Kreditgeber vom Studium drohen mit Pfändung. Ich mache Schulden bei B um A zufriedenzustellen.
- Eine Privatinsolvenz ist nicht möglich, da ich angeblich als hochgebildeter Physiker einen so gut bezahlten Job haben kann, dass ich nach 4 Jahren alle Schulden getilgt haben könnte. WTF, den besagten Job geben, können sie mir natürlich nicht.
- September 2007 NOVA ist pleite! Das einzige erfreuliche in diesem Jahr neben einigen privaten Nettigkeiten. Mir tun nur einige der Kunden leid, die sich über den Tisch ziehen ließen.
- Never give up, never surrender!
- Ich mach intensive und recht positive Erfahrungen mit dem japanischen Arbeitsamt. Im Gegensatz zu Deutschland sind die Mitarbeiter wirklich bemüht, einem einen Job zu besorgen. Bekomme dort in einem Monat mehr Vorstellungsgespraeche vermittelt als in Deutschland in 5 Jahren.
- Zusätzlich suche ich intensiv über Internet und Headhunter. Erste Vorstellungsgespräche kommen im Vergleich zu Deutschland recht oft zustande. Man ist bereit sich die Person wenigstens erstmal anzusehen und anzuhören.
- Dezember, Vorstellungsgespräch in Tokyo und Yokohama, Handschlag nach 30 Minuten mit dem Firmenchef, ich ziehe nach Hashimoto, Gehalt ist niedriger als bei SPring8 aber höher als die auslaufende dreimonatige Arbeitslosenzahlung.
- Chef hat vergessen zu erwähnen, dass ein wichtiger Businesspartner abgesprungen ist. Aber der Rest der Produktpalette ist gut und interessant.
- 5 Leute des Verkaufsteams gehen… uhoh.
- Kann schlecht schon wieder Bewerbungen schreiben, was soll ich nach ein paar Monaten Anstellung sagen, ohne die Firma wirklich(!) mies da stehen zu lassen.
- Frühherbst 2008, die Banker spielen Roulette (leider kein Russisches, mit einer Automatik) meine Kreditgeber in Deutschland (darunter KfW) teilen mir mit, dass ich mehr pro Monat zahlen muss. Das machen die seit 2002 schon zum vierten Mal! Dass ich nicht mehr als 60% meines Gehaltes geben kann, stört die gar nicht. Ich bin halt nicht Opel.
- Januar 2009, die Krise hat mich erwischt. Nun ja abzusehen, da es von den versprochenen 6 Monaten Bonus gerade mal 7% gab. Muss die Wohnung räumen und einen Großteil der Einrichtung günstig verscherbeln, obwohl alles weniger als ein Jahr alt ist. Das ist das dritte Mal, dass ich eine neu eingerichtete Wohnung verramschen muss. So kann man auch Werte/Geld vernichten (unfreiwillig!).
- Zum Glück komme ich bei meiner LAG in Osaka wohnungstechnisch unter.
- Jetzt einen Job finden kann ja nur simple sein. Das Arbeitslosengeld ist schnell weg und zum größten Teil in Deutschland bei den Banken. 0,1-1% eines Bankerbonus würde alle Finanzsorgen lösen.
- Irgendwie schaffen es die Banken durch Anpassungen, besonders der Zinsen, meine Schulden konstant zu halten ich zahle stellenweise über 18% Zinsen pro Monat. Das Geld was ich schicken kann, reicht manchmal gerade dafür. Jede Verhandlung über moderatere Zahlungen wird geblockt „Wir haben nichts zu verschenken!“ (Barclay-Bank).
- Und wenn man sich erbarmt die Raten zu senken geht das nur über eine Refinanzierung, wo alle Nebenkosten nochmal fällig werden.
- September 2009, neuer Job mit moderatem Gehalt (wenn es Bonus gibt!).
- Never give up, never surrender!
- Dezember, ich gehe wegen einer kleinen Wunde an der Hüfte zum Arzt.
- Januar 2010, Ich liege im Krankenhaus die dritte Infusion des Tages läuft, eine dunkle Stimme raunt neben meinem Ohr „NA KOLLEGE, ALLES FIT?“
- All I asked for was a tall ship, and a star to steer by.
Der Abspann läuft, im Hintergrund dudelt Sinatra und sing „My way“, vieles ist immer noch ungesagt. Der einzige Besucher dieser Filmvorführung fragt sich ob es eine Fortsetzung des Films geben wird, er erhofft es irgendwie, aber genauso hofft er, dass das Drehbuch dann besser ist.
Aber die meisten, die von Stücken des Films erzählt bekamen, halten das ja eh für schlechten (Science) Fiction was da so passierte.
Am Ende möchte ich ein paar Leuten danken, zum einen, weil sie keine Mühen gescheut haben mich während meines Krankenhausaufenthaltes zu Besuchen und Aufzubauen, oder mir sonst in einer Form beistanden zuallererst natürlich meine LAG (aka Kumiko), Xavier, Shiotani san, Kuwahara san, Dagmar, Martina, Michelle san, sowie auch Hamashita san, Ishikawa san, Kameda san, Nakamura san, Kageyama san, Hosoda san, Toda san, Jibu san und einige andere.
PS
An alle HR-Manager (besonders die gefühlt 25 jährigen BWLer mit Pubertätsakne) und sonstige die sowas betrifft, und Ihr denkt also wirklich max. 2 DinA4 Seiten gefüllt mit Stichwörtern geben euch also einen tiefen Einblick in einen Kandidaten und sein Leben, nur weil ihr gewünscht Catchphrasen findet, die sowieso in allen Ratgebern vorgebetet werden?
— Michael Hess
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— Heydal · 06.02.2010 21:04 · #
Lieber Michael,
das liegen in Krankenhausbetten lässt niemanden unberührt. Man hat Zeit sich die Gedanken zu machen die man sonst, wann immer möglich vermeidet. Vielen Dank für den sehr privaten Einblick in dein Leben. Zuallererst einmal möchte ich Dir zu deinem Durchhaltewillen und Entschlossenheit gratulieren. Wenn Du jetzt Bilanz ziehst siehst Du hoffentlich die gewaltige Leistung die Dir gelungen ist, die bei den widrigen “Umständen” alles andere als Selbstverständlich ist.
Du bist deinen Weg gegangen und hast einen Erfahrungsschatz der vielleicht nicht von allen geschätzt oder verstanden wird, aber auf jeden Fall ein Leben zeigt das gelebt wird, mit allen Ecken und Kanten und Stolperfallen die das Leben einem bietet.
Also Kopf hoch, wer soviel Scheisse durchgestanden hat, wird auch jetzt nicht klein beigeben. Nee Chemo ist nicht nur eine Tortur für den Körper sondern vorallem auch für die eigene Psyche. Oder mit anderen Worten dein Dickschädel ist gefragter denn je.
Never give up, never surrender.
Und wenn Du die ersten Schritte raus aus dem Spital in dein neues Leben machen wirst, und es wird ein neues Leben sein, dann wirst Du wissen was Dir wichtig ist, auf welche Menschen Du dich verlassen kannst, und wie das Leben ausserhalb von Kontostand und Geschäftsbilanz zu bewerten ist.
Ich wünsche viel Kraft, und noch mehr Zuversicht, ganz nach dem Motto: “ Always look on the Bright Side of Life”.
Heydal
— blueschi73 · 06.02.2010 22:08 · #
Gut das du wieder raus bist! Also dann man sieht sich.
— Kim · 07.02.2010 00:11 · #
Hi Michael,
das klingt wirklich schlimm. Ich hoffe du überstehst deine Krankheit und findest wieder deine Energie um weiter zu machen. Ich kann mich Heydal nur anschließen. Ich bin sehr beeindruckt von deinem Werdegang und werde dich als Vorbild nehmen nicht aufzugeben, egal wie viele Steine einem in den Weg gelegt werden. Ich wünsche dir also gute Besserung und freue mich schon darauf wieder von dir zu hören. Mein Angebot gilt übrigens immer noch, falls du was aus DE brauchst/willst gib Bescheid.
— fritz · 07.02.2010 04:28 · #
wie ich sehe hast du schon vor Japan das japanische “Ganbaru”, das disziplinerte Durchhalten durchexerziert. Hatte heut ein Gespräch mit einer Japanerin exakt darüber, und wir fanden irgendwie herauss, dass das japanische “Ganbaru” und das deutsche “Was muss, das muss, ne?” schon recht ähnlich sind.
Dein Leben zu lesen macht mich nachdenklich, zumal ich ja all das noch vor mir hab, und es jetzt alles in meinen augen regenbogenrosa ausschaut.
von daher schreib doch bitte einfach mal nur die positive Sachen auf, die in den letzten 42 Jahren passiert sind :)
— Michael Hess · 07.02.2010 23:52 · #
@Heydal
Ich sag mal schlicht Danke.
Auch “Life of Brain” ist in meiner DVD Sammlung und Weihnachtliches Pflichtprogramm ;)
Von dem Song mag ich übrigens die JBO Variante auch ganz gerne ;)
@Blueschi
Wir hatten das ja heute Abend! :)
@Kim
Ja, mein einer meiner Lieblingsfilme ist übrigens Catch22… ;)
Wer ihn kennt weiss warum.
@Fritz
Ja “Ganbaru” ist schon was spezielles und schwer zu übersetzen.
Das “Wat muss, dat muss!” ist IMHO viel zu weich. :)
Positive Sachen in 42 Jahren…uhuhu da bekomme ich dann aber Stress mit der FSK ;)
Nein, Scherz!
Klar gabs auch Positives in 42 Jahren. Das “größte” war IMHO für mich nach Japan zu gehen.
Gilt trotz allem immer noch als die beste Sache die mir passiert ist.
Hätte es (wenn möglich) viel eher machen sollen :)
Zweitbestes… Diplom haben! Trotz allen traurigen Verknüpfungen damit (was im Detail dann wirklich zu privat für ein Blog wird).
Und viele Kleinigkeiten die schwer zu beschreiben sind die aber vermehrt eben genau hier in Japan passiert sind.
Wünsche dir viel Glück in der neuen Bude!
— tabibito · 08.02.2010 01:58 · #
Bemerkenswerte Geschichte und ein langer Kampf.
Tapfer bleiben!!!
— masshu · 08.02.2010 02:52 · #
du hast bisher jede der zahlreichen hürden in deinem leben genommen, du wirst auch diese nehmen!
alles gute!
— Marcus · 08.02.2010 17:49 · #
Na, bei der Lebensgeschichte wirst Du ja jetzt wohl nicht klein beigeben, oder?
Rincewind ist ja auch immer davon gekommen ;)
— Michael Hess · 08.02.2010 19:22 · #
@Marcus
NEVER! ;)
— Gray · 18.02.2010 05:08 · #
Sprachlos… Man weiss immer garnicht was man darauf sagen soll… Jemand in meinem engsten Bekanntenkreis macht das auch gerade mit.
Ich habe da heute jedenfalls bei dem Foto-Sushi Kollegen mal einen Kommentar hinterlassen, der auch hier ganz gut passen könnte.
Also: Auch wenn es Dich aus dem Sattel wirft, niemals liegenbleiben!!!
— Michael Hess · 24.02.2010 10:56 · #
Hallo alle,
erstmal Herzlichen Dank für alle aufmunternden Kommentare hier.
Wie ich schrieb gehen in solchen Zeiten einem viele Gedanken durch den Kopf und ich habe versucht meine (hoffentlich nicht zu subjektive) Perspektive der Ereignisse zu vermitteln.
Ich denke alles zu berichten würde durchaus den Umfang eines Buches annehmen… und ev. kein Bestseller werden :D
— hubbie · 27.02.2010 23:40 · #
Meine Hochachtung…die Facetten deines Lebens sind so unglaublich wie die Stamina, die du zur Bewältigung aufbringst.
Wenn ich allein daran denke, dass Anfang der Siebziger, als ich meinen Lehrerjob antrat, in A so ein Mangel herrschte, dass jeder Interessierte auch ohne Abschluss aufgenommen wurde, bewundere ich deine Ausdauer, deinen Mut und die Konsequenz, selbst verfahrenste Situationen in den Griff zu bekommen, niemals zu verzweifeln und dabei auch eine gesunde Portion Humor zu behalten, chapeau!
— Tobey · 02.03.2010 22:59 · #
Hallo Michael,
ich habe mir deine Lebensgeschichte durchgelesen und bewundere dein Durchhaltevermögen! Ich hätte wohl schon längst aufgegeben.
Aber so weiß ich auch wieder, wieso ich mich mit einem leichteren Leben gegnüge. Realschulabschluss mit 3,8, Fachabi Wirtschaft mit 2,2 und jetzt morgen Zwischenprüfung für meine Ausbildung zum Fachinformatiker – Anwendungsentwicklung.
Ich habe den Traum, in 2 Jahren ein neues Leben in Japan zu beginnen, mein mieses Leben hier abzuwerfen und alles hinter mir zu lassen. Ich träume von einer eigenen Spieleschmiede, in der die besten PC Games aller Zeiten gemacht werden. Aber selbst wenn das nichts wird: Hauptsache in Japan sein!
Bin über Tabibito hier her gekommen, werde mir auch noch alle Einträge gründlich durchlesen und wünsche dir viel Erfolg!
— Michael Hess · 05.03.2010 08:21 · #
@Tobey
Ich hoffe das mit der Prüfung ist gut gegangen! :)
Zu dem neuen Leben in Japan, versuche wenn du im richtigen Alter noch bist, ein Working Holiday Visa zu bekommen und dann erst mal reinzuschnuppern.
Dazu muss man sagen das Japan kein Einwanderungsland ist und somit Arbeitsvisa relativ schwer zu bekommen sind. (Ich hatte in dem Punkt Glück)
Schau mal ob du Kontakt mit japanischen Spielefirmen bekommst.
Ab und zu sucht man z.B. ausländische Programmierer welche die “Übersetzung” von Spielen durchführen sollen.
Die Bezahlung ist dabei theoretisch aktzeptable (1500-2000Yen/Stunde).
Ansonsten wünsche ich dir mit deinem Plan viel Glück.
— Tobey · 08.03.2010 17:53 · #
@Michael
Ja, die Prüfung lief gut :-) Ergebnis liegt zwar noch nicht vor, aber ich habe ein gutes Gefühl.
Nach meiner Ausbildung im nächsten Jahr bin ich 23, bis ich das Startkapital habe bin ich 24. Das ist, soweit ich weiß, gerade noch an der Grenze zum Working Holiday. Demnächst möchte ich noch bei der Botschaft wegen den genauen Bedingungen / Wartezeit nachfragen.
Die Firma, bei der ich zur Zeit meine Ausbildung mache, hat eine Schwesterfirma in Tokyo, Shibuya-ku. Eventuell kann ich das als Sprungbrett benutzen.
Erst letztes Jahr ist jemand von hier zur Schwesterfirma in Tokyo ausgewandert.
— Michael Hess · 09.03.2010 07:15 · #
@Tobey
Perfekt!
Ja das mit der Firma ist IMHO ein sehr guter Weg!
Sozusagen jemand der deine !Qualität” kennt, der der japanischen Firma ebenfalls bekannt ist und dich empfehlen kann.
Hört sich für mich nach einer guten Chance und Plan an.
— suisujin · 22.04.2010 01:21 · #
Hallo Michael,
Ich verfolge dein Blog schon seit eigen Wochen und finde ihn sehr informativ und amüsant. Bravo super Blog, besonders die interkulturellen Unterhaltungen mit deiner Frau.
Ich schreibe dir erst jetzt, da ich damals den Lebenslauf nicht durch gelesen habe, ihn aber per google zufälliger weise wiederentdeckt habe.
Nun zum Punkt, ich bin auch Physiklaborantin, bzw. schliesse im Sommer meine Lehre ab. Ich werde im Oktober (31 Tage) Japan bereisen. Danach würde ich gerne einige Monate in Japan arbeiten vorzüglicherweise als Physiklaborantin. Meine Lehrausbildungsfirma hat auch Niderlassungen in Japan, aber wegen der Wirtschaftskriese sind meine Karte momentan sehr schlecht. Weisst du ob es in Japan ein Equivalent zum Physiklaboranten gibt, oder wie gross meine Changes sind vielleicht bei einer Uni als Technische Angestellte eine Arbeit zu erhalten?
[Begrenzer Zeitraum von max. 10 Monaten bevor ich zu studieren beginne.]
Könnte ich meine Reise nutzen um mich bei verschieden potenziellen Arbeitgeber zu bewerben? Denkst du das ich als nicht japanisch-sprechende Person (meine English würde ich als sehr gut Einstufen), in diesem Sektor überhaupt eine Changes habe?
Ich hoffe ich nerve dich nicht mit dieser Anfrage und hoffe weiterhin interessante Blogeinträge von dir lesen zu können.
suisujin
— Michael · 23.04.2010 11:04 · #
@suisujin
Hi,
ich schick dir dazu mal ne PM! :)
— suisujin · 25.04.2010 05:21 · #
Wie du dir denken konntest war das nicht meine echte adresse. sorry ist eine alte gewohnheit die ich nicht mehr los werde, aber hier soltest du mich erreichen können (siehe e-mail adresse).
Schon einmal danke für deine Antwort und noch ein schönes Wochenende.
suisujin