Versicherungen · 11. Februar 2010
Konfrontiert mit den nicht unbeträchtlichen Kosten der 30% Selbstbeteiligung meiner Behandlung hier in Japan, hat man mir aus Deutschland (Dem Land der vor allem Besserwissenden!) vorgeworfen das ich nicht klug war (um nicht zu sagen saublöd) weil ich nicht mit einer deutschen Zweitversicherung vorsorgte.
Sowas können nur Leute mit wenig Erfahrung mit dem deutschen Versicherungswesen abgeben, oder sie sind von kindlicher Naivität.
Das erste und oberste Gebot einer Versicherung scheint es zu sein, Zahlung mit allen möglichen Mitteln zu vermeiden.
Zweitens, gerade im Bereich der privaten Krankenversicherung werden junge gesunde Mitglieder bevorzugt und alle anderen bekommen Einschränkungen bezüglich Übernahme von Kosten in ihren Verträgen, Leute mit Herzproblemen, Diabetes, Krebsvorgeschichten oder simplen selbst leichtem Übergewicht sind gefickt und wundern sich später das die KV nicht zahlt, weil z.B. der eingewachsene Fußnagel mit der folgenden Blutvergiftung im Übergewicht begründet lag. (Selbst so ein Schreiben gesehen bei einem Bekannten)
Hat jemand sogar mehrere Konditionen wird die KV selbst dann einen Grund finden nicht zu zahlen, wenn er von einem Auto überfahren wird.
IMHO kann man sich dann die Versicherung am besten gleich sparen und stattdessen, wenn überhaupt finanziell möglich, dass Geld für die Beiträge woanders gut anlegen.
Hier mal ein paar Erfahrungen aus erster Hand (nix der Bekannte meines Schwippschwagers Freund hat gehört stuff)
- Die Rechtschutzversicherung der Gewerkschaft verabschiedet sich nach dem der Arbeitgeber der Gegenpartei vor Gericht simple behauptet (lügt) das er nicht Mitglied in der Arbeitgebervereinigung ist. Nur wenn er Mitglied wäre würden sie den Rechtschutz für den Arbeitnehmer übernehmen.
- Eine Hausratversicherung weigert sich die Kosten für den Diebstahl eines Fahrrades zu übernehmen (Trotz Zusatzversicherung) weil der Besitzer, ein 15 jähriger Schüler, nach 22 Uhr das Fahrrad noch vor der VHS angeschlossen hatte und nicht zuhause in der Garage. Argument, unter 16 muss ein Schüler vor 22 Uhr zuhause sein.
- Die Rechtschutzversicherung weigert sich den Klageweg gegen die Hausratsversicherung zu finanzieren. Nun ja gehören zum gleichen Konzern… ein Schelm der böses denkt.
- Nach einer Biopsie und Computertomografie schickt die Krankenversicherung (TK) eine Kündigung weil sie keine Studenten (wohl eher teure Kranke) versichern würden. Bei Drohung mit einem Anwalt wird die Kündigung zurückgenommen, aber eine Neueinstufung als freiwillig Versicherter vorgenommen (4 mal so teuer) und der Studentenstatus abgesprochen, da zu alt. Der Einspruch wegen 2ten Bildungsweg der gesetzlich die Altersgrenze anhebt wird mit „Man hätte ja aus reinem Vergnügen so spät mit dem Studium angefangen und eben vorher im Job Geld gescheffelt.“ Das geht bis in die zweite Instanz vor dem Sozialgericht, wo die TK (leider nur) verbal vom Richter richtig schön zusammengestaucht wird. Die Zuviel gezahlten Beiträge von 3 Jahren werden erstattet, die Überziehungszinsen die deswegen nötig waren, leider nicht.
- Nach Blitzschaden am PC und Monitor schickt die Hausratsversicherung zwei „Spezialisten“ von Hannover nach Dortmund. Die versuchen den Rechner zu starten und stellen fest „Ja tut nicht, den müssen wir mitnehmen“. Es kann gerade noch die Festplatte mit Forschungsdaten ihren kompetenten Händen entrissen werden. 8 Wochen kommt keine Rückmeldung und auf Nachfrage heißt es der Fehler wird noch gesucht. Dann in der 9ten Woche und unter Hinweis das man als Student durchaus seinen Rechner öfter braucht, heißt es „Ja sie können sich den in Hannover abholen, zuschicken tun wir den nicht, das ist zu teuer!“ Ja aber ZWEI Hansel den Rechner abholen lassen war ok? Der Rechner wird abgeholt, immer noch Kaputt, und ein paar Tage später kommt ein Brief mit einem Scheck über 55 Mark und dem Kommentar das dies zur Reparatur reichen würde da ja nur im Netzteil des PCs ein Kondensator und im Monitor der Zeilentrafo kaputt sei. Nun das stand in dem Vertrag anders, da stand nix von Reparatur von Geräten. Hinzukommt das man in Teufels Küche kommt wenn man an einem Netzteil oder Mainboard herum repariert und es dafür auch keine Fachgeschäfte gibt, da sowas simple ausgetauscht wird. Der Zeilentrafo, das Herzstück jedes Fernseher und Monitors war dazu nicht beim Produzenten direkt besorgbar. Der hat ob des Ansinnens mit dem Kopf geschüttelt und gesagt das lohnt nicht. Ich findet trotzdem ein Spezialisten der einen ähnlichen Zeilentrafo besorgen könnte, Kostenpunkt 400 Mark, ich verzichte dankend. Die Versicherung ficht das alles nicht an erklären den Fall für erledigt und schickt die Kündigung.
- Rechtsschutz DAS, als ich von MLP auf Rückzahlung meines Gehaltes verklagt wurde und es vor Gericht darum ging, war ich Scheinselbständig oder nicht, da meinten die Rechtschutzversicherung dann, sie würden die Kosten übernehmen wenn das Gericht entscheiden würde das ich scheinselbständig war. Hallo, das ist was neues, sie wollen zahlen wenn ich sozusagen gewonnen habe und somit MLP sowieso die Gerichtskosten und meinen Anwalt hätte tragen müssen. Eine Verklausulierte Form des „Wir zahlen nicht, wenn uns nicht passt“
- In meinem Familien und Bekanntenkreis gab es übrigens weitere 5 bis 6 Fälle wo sich Rechtsschutzversicherungen sich drückten, besonders bei Klagen gegen Versicherungen
- Bei meiner Planung für meinen Aufenthalt frage ich bei einigen Versicherungen nach eventuellen Versicherungsmöglichkeiten nach, bekomme eine Lange Liste von nichtabgedeckten Krankheiten die da wären z.B.: Krebs, Diabetes, Herzerkrankungen sowie ALLE Formen von Rückenleiden. Und trotzdem würden sie Unsummen kosten. Den Vogel schießt wieder die TK ab, die mir eine reine Anwärterschaft für günstige 150 Euro pro Monat anbietet, nur damit sie mich wieder gnädig aufnehmen wenn ich nach Deutschland zurück käme.
- Ein Schmankerl aus „den Staaten“ zum Abschluss. Mein Kollege hat dort einen „Healthplan“ via der Firma wo er arbeitet. Seine Ehefrau hat einen bei einer anderen Versicherung. Aus bestimmten Gründen war nun mein Kollege mal auf der Suche nach einer anderen Versicherung und stieß dabei auf eine, die in ihrem Vertragswerk drinstehen hatte, dass eine Schwangerschaft seiner Ehefrau (mit anderer Versicherung!) für ihn eine „preexisting Condition“ wäre welche zur Folge hätte, dass die Versicherung keine Leistung erbringen würde! Ahhh ja!
Also wie war das oben nochmal? „Warum hast du dich nicht extra abgesichert?“ Also klar 4000 und mehr Euro pro Jahr zahlen, nur damit die Versicherung wenn es wirklich drauf ankommt, also nicht der übliche Kleinscheiss wie Schnupfen, oder Zahn bohren, sich vorm Zahlen drückt, oder wie?
— Michael Hess
![Validate my XHTML 1.0 Transitional [Valid XHTML 1.0 Transitional]](images/valid-xhtml10.png)
![Validate my RSS feed [Valid RSS]](images/valid-rss.png)
— Heydal · 11.02.2010 17:24 · #
Oje…… ich muss gestehen ich liebe Versicherungen. Beim lesen dieses Eintrags ist mir ganz anders geworden. Tief Luft holen…Eins, zwei drei, ja jetzt geht es wieder.
Ich denke das mit den Versicherungen ist etwas sehr psychologisches. Das abschliessen von Versicherungen gibt einem das Gefühl von Sicherheit, bestenfalls. Das wenn dann wirklich mal der Fall eintritt umd man Versicherungsleistungen in Anspruch nehmen muss, das Kleingedruckte für üble Überraschungen sorgt ist eigentlich auch klar. Meistens gibt es einen Selbstbehalt, oft auch eine Bemessungsgrenze die nicht wirklich Kundenfreundlich ist. Das aber Versicherungen sich weigern für Leistungen die einem zustehen auch einzutreten, siehe die Rechtsschutzversicherung in deinem Beispiel ist wirklich ein starkes Stück. Kann mir dies eigentlich nur so erklären das man sich bei der Rechtsschutz denkt, der Versicherte wird es nicht wagen Sie zu verklagen wenn Er das finanzielle Risiko tragen muss. Auch ein Geschäftsmodell.
Ixh habe bis jetzt nur meine Krankenversicherung in Anspruch nehmen müssen. Ansonsten sind mir versicherungsrelevante Ereignisse erspart geblieben, hoffe dass das in der Zukunft so bleiben wird. Toi, toi, toi. Bleibt nur die Frage ob es eine Versicherung gegen Versicherungen gibt, scheint mir dringend angeraten eine solche abzuschliessen ),D
— Michael Hess · 12.02.2010 09:26 · #
An sich ist Absicherung gut, aber da die Versicherungsgesellschaften immer mehr sich den Anlegern als den Versicherten verpflichtet sehen, haben wir also Leistungsverweigerung zum Vorteil des Quartalen Gewinns des Versicherungsträgers als Ergebnis.
Und die Fälle wo Versicherungen Kunden “aushungern”, werden in Zukunft wohl weltweit steigen.
Es geht z.B. nicht an, das ein KV sich alle jungen gesunden als Kunden sucht und die anderen in die AOK (z.B.) versucht abzuschieben. Das die AOK dann unter der sozial ungleich verteilten Last zusammenbricht ist zwingend.
Eine Versicherung macht nur Sinn wenn der Durchschnitt des Gesamtrisikos über die Gesamtbevölkerung gleichmäßig versichert wird.
Die logische Schlussfolgerung ist, eine KV in die ALLE rein müssen. Nur so macht es Sinn. Nix Beitragsbemessungsgrenzen und ähnliches Zeug.
So war mal die Idee hinter der Versicherung, Lebensrisiken auf viele Schultern verteilen so das die Kosten für den einzelnen erträglich sind.
— coolio · 15.02.2010 12:26 · #
Absicherung ist fuer mich sogar ein Muss, besonders fuer Familien mit Kindern oder Leute die hinterher nicht mit einer “Mindestrente” dastehen wollen. Mit Blick auf die Versicherungen in aller Welt, schneiden die deutschen Versicherer gar nicht so uebel ab. Ganz im Gegenteil. So musste ich z.B. in Deutschland noch nie fuer eine OP bezahlen. Gut, das Krankenhaustagegeld musste ich vorstrecken, bekam es aber immer ohne Kommentar von der KV zurueckbezahlt. Das sieht in den meisten Laendern, auch in Japan, schon ganz anders aus….
Auch bei Krankheiten in Urlaubslaendern gab es nie Probleme. Dank ADAC bin ich boese verletzt aus Afrika ausgeflogen worden und konnte in einem anderen Fall diese Zusatzversicherung fuer ein schwerstkrankes Kind benutzen, das ohne wenn und aber auf meinen Namen nach Deutschland ausgeflogen wurde. Ohne irgendwelche Kosten.
Klar kraenkeln die KV-Systeme in Deutschland. Trotzdem sind sie noch um Weiten besser als in den meisten (auch “zivilisierten”) Laendern.
— Michael Hess · 15.02.2010 12:54 · #
@Coolio
Klar ist Absicherung für jemanden mit Familie und auch ohne Familie muss.
Nur manchmal bekommt man eben diese Absicherung wegen irgendwelchen Vorgeschichten nicht, Diabetes, Übergewicht Krebs und andere Sachen gehören alle zum Vorerkanrungskatalog der spätere Leistungen mehr als Fragwürdig erscheinen lässt.
Ich hätte eben diese mir so klug angeratene tolle Zusatzversicherung zwar bekommen, aber genau der Fall wo ich es jetzt hätte gebrauchen können, wäre ausgeschlossen gewesen.
Mir ging besonders der neunmalkluge Vorschlag eben auf den Senkel.
Ich bin seit 1998 eben “persona non grata” bei vielen Versicherungen wenn ich wirklich seriöse Sachen absichern will.
Und bis 1992 hatte ich auch viele Zusatzversicherungen die ich auf Anweisung des Arbeitsamtes eben kündigen musste.
PS Man muss aber auch das Geld haben sich Versicherungen leisten zu können, davon abgesehen.