Michael's Japan Blog

Im Reich der Sonne

Okaeri nasai Hayabusa · 12. Juni 2010

Hayabusa (隼meist aber in diesem Fall in Hiragana geschrieben はやぶさ) bedeutet Wanderfalke auf Japanisch und bevor die Motorrad Otakus sich wundern, nein ich meine nicht das Motorrad!
Es geht hier viel mehr um ein Gefährt, welches viel mehr Kilometer alleine zurückgelegt hat als alle Hayabusa-Motorräder zusammen.

Nun was ist dieses erstaunliche Gefährt?
Es ist eine Deep-Space-Raumsonde Japans (auch unter dem Namen MUSES-C bekannt), welche vor gut 7 Jahren auf die Reise geschickt wurde, um mit dem Asteroiden Itokawa ein Rendezvous-Manöver durchzuführen und in diesem Rahmen eine Probe des Asteroiden zu sammeln und zurück zur Erde zu bringen.

Dieser Asteroid ist nach dem Vater des Japanischen Raketenprogramms Hideo Itokawa (1912-1999) benannt.
Warum sollte uns dieser Asteroid so sehr interessieren, dass “wir” eine gute Menge Geld ausgeben um dort nicht nur eine Sonde hinzuschicken sondern auch noch eine Materialprobe zurück zu bekommen?

Nun ich gebe zu das man mit dem Bergsteigerargument “Weil er da ist!” sich da Argumentativ auf dünnes Eis begibt und besonders bei BWLern auf taube Ohren stößt, die lieber Milliarden in Banken und Investmentfonds verbrennen.

Ich denke das Argument “Um zu zeigen, dass es technisch machbar ist!” ist zwar auch nicht perfekt, passt aber wie man später sieht, schon recht gut.

Itokawa ist ein sogenannter Apollo-Asteroid welcher damit nicht nur die Erdbahn kreuzt, sondern damit auch eine Wahrscheinlichkeit hat, irgendwann mal in der Zukunft mit der Erde im Einsteinschen Raum-Zeit-Kontinuum die gleichen Werte anzunehmen.
Und bei der Größe von Itokawa und nach Versuchen des berühmten Hess-Laboratoriums, welche eine Gruppe Ameisen und einen Vorschlaghammer beinhalteten, die in einem kurzen Schreckensbetonten “Aaaaaaaaaaaaaaaaarrgghhhhhh” auf Seiten der Ameisen, gefolgt von einem finalen SMACK, endeten, wäre so etwas SCHLECHT!.

Wie die Mission von Hayabusa hätte ablaufen sollen, kann man auf dem Blog von Michael Kahn unter dem Artikel Fußkranker Samurai kehrt zurück in einem Video sehen.
Dort ist auch eine sehr gute Zusammenfassung der Mission zu lesen, weshalb ich das hier nicht alles im Detail nochmal wiederholen will.

Kurz gesagt kann man sagen, dass die Mission von Anfang an vom Pech verfolgt schien.
Nach dem glatten Start im Mai 2003 geriet sie in starke Sonnenwinde, was ihre Solarzellen beschädigt und somit die verfügbare Energie für die Sonde im Allgemeinen und für den Ionenantrieb im Besonderen beschränkte.

  • Mai 2004 gelingt der Erde Swing-by
  • Juli 2005 Ausfall eines von drei Gyroskopen zur Lageregeleung
  • September 2005 Ankunft bei Itokawa
  • Oktober 2005, Ausfall des zweiten Gyroskops
  • November 2005 weitere Annährung an Itokawa und damit verbundene Operationen
  • 12. November, Verlust der Kleinstsonde Minerva beim geplanten Aussetzversuch
  • 19 November, erster Probenentnahmeversuch misslingt, die Sonde berührt dabei vermutlich den Asteroiden (Touch and Go)
  • 26 November, zweiter Versuch zur Probenentnahme, nach bisheriger Datenlage, war dieser Erfolgreich.
  • November-Dezember 2005 Durch Treibstoffverluste sind die Lagereglungstriebwerke nicht wie geplant einsetzbar. Gleichzeitige Probleme mit der Batterie verhindern, dass die Sonde das Rückkehrfenster zur Erde am 14 Dezember nutzen kann.
  • Januar 2006 Kommunikation mit der Sonde kann wieder etabliert werden
  • April 2007 Die Sonde wird auf den Heimweg zur Erde geschickt.
  • Es folgen weitere Probleme mit den 4 Ionentriebwerken die bislang über 31000 Stunden arbeiteten. Zum Teil wird der Sonnenwind zum Antrieb und Navigationshilfe benutzt.

Nun ist es Juni 2010 und die Sonde ist sozusagen im Endspurt.
Morgen (Sonntag) soll die Landekapsel der Sonde gegen 22:30 Uhr dann in Australien in der Nähe von Woomera niedergehen.
Diese letzte Phase der Mission kann live verfolgt werden diese Liveuebertragung ist von der Universität in Wakayama vom Institute for Education on Space eingerichtet worden.

Weiter Informationen zur Hayabusa Mission kann man dem JAXA Hayabusa Pressekit entnehmen welches als Kopie auch auf meinem Server in Deutschland liegt.

Egal wie es am Ende ausgehen wird, das was Raumfahrtingenieure mit dieser Mission geleistet und gelernt haben, ist mit keinem Geld der Welt, für die Zukunft aufzuwiegen.
Nur BWLer und Stammtischler glauben ja das Entwicklungen aus dem Himmel fallen und ohne Forschung und Erprobung stattfindet und somit F&E und solche Projekte entbehrlich sind.

— Michael Hess

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Kommentare

  1. Michael Khan · 13.06.2010 20:18 · #

    Hallo Michael,

    Ich kann ja nachvollziehen, was du gegen BWLer hast, aber wieso wettest du gegen Stammtischler? Ich meine: Ganz ohne Bier ist doch auch nix.

    Oder? :-)

  2. Michael Hess · 13.06.2010 20:54 · #

    Auch wieder wahr!
    Dabei haben beide Gruppen etwa gleich viel Ahnung von der Wirtschaft. ;)
    duck

  3. Michael Khan · 14.06.2010 03:17 · #

    Och … also Stammtischler kennen sich zumindest in der Wirtschaft, in der ihr Stammtisch steht, meist recht gut aus.

    Zu Hayabusa:

    Die Eintrittskapsel ist am Boden und wird im Laufe des Montags eingesammelt. Die Sonde ist plangemäß in der Atmosphäre verglüht.

    Mehr dazu (mit kewlem Foto der verglühenden Raumsonde, aufgenommen aus einem Beobachterflugzeug), hier:

    http://www.spaceflightnow.com/news/n1006/13hayabusaentry/

  4. Michael Hess · 14.06.2010 17:35 · #

    Stimmt Michael,
    da habe ich die Stammtischler im Prinzip beleidigt, als ich sie auf das Niveau der BWLer gleichstellte. ;-)

    Hayabusa:
    Das Bild ist wirklich wunderschön! THX

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